Engagieren mit Hebelwirkung

Unser ganzes Leben lang, sind wir mit Entscheidungen konfrontiert. Viele davon betreffen die Aufgabe, Prioritäten zu setzen. Je komplexer das Thema, desto schwieriger wird auch die Entscheidung darüber, was mehr Gewicht hat, bzw. wo man am besten anfängt. So ist es auch mit dem Thema „Nachhaltige Entwicklung“. Es gibt unzählige und verschiedenartige Tricks und Tipps zu einem nachhaltigen Lebensstil. Einerseits ist es gut, dass dies so ist – weil auf diese Art, jeder schon irgendetwas findet, das er/sie auch umsetzen kann. Andererseits verursacht das eine Situation, in der man sich oft überfordert fühlt, wodurch wiederum die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass man auch wirklich was tut.

Viele Vorschläge werden von ihren Autoren zusätzlich nicht hergeleitet oder hinreichend erklärt. Das hat zur Folge, dass man es nur schwierig schafft, ein Gefühl von Betroffenheit oder Verantwortung hervorzurufen. Eventuell entsteht sogar Misstrauen, oder auch falsche Hoffnung, wenn man z.B. vorschlägt, man solle mehr mit dem Rad fahren und dem hinzufügt, dass man dadurch „die Welt retten könne“.

Ich habe mir also Gedanken zum Thema Prioritäten gemacht und versucht, eine systematische Vorgangsweise zu entwickeln. Im Prinzip, handelt es sich dabei um drei Arten von Hebelwirkungen. Diese sind möglicherweise hilfreich dazu, das eigene Leben sinnvoll und mit maximaler Effizienz (Auswirkung pro Aufwand) in Richtung Nachhaltigkeit anzupassen, bzw. zu verändern.

Wissenschaft

Erstens geht es um eine wissenschaftlich bedingte Hebelwirkung. Diese heißt so, da sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und in der Theorie, weder von der Person, die sie anwendet, noch vom Setting abhängig ist. Bei dieser Art von Hebelwirkung gilt es herauszufinden, welche Aktionen oder Maßnahmen, für die Masse an Menschen, die größte Wirkung erzielen. Dabei müssen bestimmte Kriterien, wie Kosten, Dauer, Komplexität etc. natürlich beachtet werden. Ein Beispiel wäre die Umsetzung folgender Maßnahme:

„Weniger Fleisch zu essen, ist die wichtigste Maßnahme, welche Menschen weltweit, gegen den gefährlichen Klimawandel einsetzen können“.
Warum das wahrscheinlich tatsächlich so ist, folgt in Kürze in einem eigenen Artikel.

Setting

Zweitens geht es um eine Setting-basierte Hebelwirkung. Das heißt, dass eine wissenschaftliche Erkenntnis, wie z.B. die mit dem Fleisch, nicht überall auf der Welt gleichermaßen zutrifft. Somit ist vielleicht eine Maßnahme nur in einer bestimmten Region auch die beste. Anderenfalls kann es sein, dass die Maßnahme zwar weltweit die wichtigste ist, aber dass dies, nicht auch für jede Region im Einzelnen zutrifft.

An dieser Stelle muss man also darauf achten, wie relevant, die wissenschaftliche Erkenntnis in den einzelnen Regionen ist und welche Regionen, welchen Einfluss auf das weltweite Ergebnis haben könnten. Außerdem, sollte man untersuchen, was gerade in der Region, in der man lebt, die wichtigste, bzw. am dringendsten benötigte Maßnahme sein könnte. Dabei kann man sich z.B. an den Sustainable Development Goals orientieren. Die Maßnahmenbeschreibung, müsste also folgendermaßen erweitert werden:

„Weniger Fleisch zu essen, ist die wichtigste Maßnahme, welche Menschen weltweit, aber v.a. in Ländern mit gehobenem Lebensstandard, gegen den gefährlichen Klimawandel einsetzen können“.

Person

Drittens geht es um einen persönlich bedingten Hebel. Dieser ist höchst individuell und hat damit zu tun, wie man selbst lebt und welche Fähigkeiten, Bedürfnisse, Vorlieben und Limitierungen man hat. Es geht darum, sich selber besser kennen zu lernen und herauszufinden, in welchen Bereichen man gut ist. Weiterhin auch zu eruieren, wie das eigene Potential bestmöglich zum Einsatz kommt, sowie darüber nachzudenken, welche Maßnahmen/Vorschläge, für einen selbst als sinnvoll erscheinen.

Nehmen wir den unglücklichen Fall einer Profisportlerin, mit einer Intoleranz gegen Nüsse, Soja, Hülsenfrüchte und auch Milchprodukte (Hauptproteinquellen der vegetarischen Ernährung)! Aus diesem Grund ist sie, wenn sie keine Protein-Präparate zu sich nehmen möchte, auf den Konsum von Fleisch angewiesen. In ihrem Fall, macht es also weniger Sinn, den Tipp zur fleischlosen/fleischarmen Ernährung zu befolgen. Allerdings kann sie auf Qualität statt Quantität setzen, also z.B. Bio-Fleisch kaufen. Andererseits und viel wichtiger noch, könnte sie die eigene Stellung in der Öffentlichkeit nutzen, um andere dazu zu bewegen, kein, oder weniger Fleisch zu essen. In diesem Fall, ist also Ausnutzen ihres Bekanntheitsgrades ein viel größerer Hebel, als wenn sie sich selbst „nur“ als Konsumentin sieht und deswegen versucht, möglichst wenig Fleisch zu essen. Das bedeutet für unseren Beispielsatz:

„Weniger Fleisch zu essen, ist die wichtigste Maßnahme, welche Konsumenten weltweit, aber v.a. in Ländern mit gehobenem Lebensstandard, gegen den gefährlichen Klimawandel einsetzen können“. 

Schließlich sind alle Menschen auch Konsumenten. Zum Glück aber, ist das nicht die einzige Fähigkeit, die die meisten besitzen. Diesen Beispielsatz könnte man in seiner Wirkung natürlich noch weiter eingrenzen.

Zusammenfassung

In Retrospektive ist zu sagen, dass diese Darlegung stark vereinfacht ist, sie jedoch dem Zweck der Veranschaulichung dient. Im Laufe der Zeit werde ich diese Punkte deshalb weiter vertiefen. Jetzt aber, resultieren am Ende drei wichtige Fragen:

  1. Was sind die Maßnahmen, zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung, die wissenschaftlich gesehen, am effektivsten, am schnellsten, am einfachsten und kostengünstigsten zu realisieren sind? (+ z.B. zur Vermeidung des gefährlichen Klimawandels beitragen)
  2. Was sind die Merkmale der Region, in der man selbst lebt?
  3. Wer bist du, worin bist du gut, was kannst (speziell) du tun?

Zugegebenermaßen sind das Fragen, die man nicht so leicht beantworten kann. Trotzdem dienen sie als Ansatzpunkte um den eigenen Prozess des Handelns zu unterstützen. Schlussendlich gibt es wahrscheinlich noch eine größere und allgemeinere Hebelwirkung. Diese beinhaltet, auf das Verhältnis von Denken/Planen und Handeln zu achten, also nicht zu lange mit den Aktionen zu warten. George Patton hat gemeint:

Ein guter Plan, der sofort umgesetzt wird, ist besser, als ein perfekter Plan, der erst nächste Woche umgesetzt wird.

 

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