Nachhaltiger Konsum

In diesem Artikel geht es darum, wie man am ehesten ein möglichst nachhaltiges Produkt auswählt. Weiterhin geht es darin um die Frage, wie man durch den eigenen Konsum, einen positiven gesellschaftlichen Beitrag in Richtung nachhaltiger Entwicklung leisten kann. Als Einstieg in diese Thematik bietet sich das „NaRätsel 1: Kugelschreiber“ an.

Einleitung

Aus Sicht der Nachhaltigkeitswissenschaft, ist das “richtige” Konsumverhalten ein großes und sehr komplexes Thema. Für den Einzelnen und im Alltag jedoch, muss dies nicht zwangsweise so sein. Wie auch bei diesem Artikel, über einige wichtige Hebelwirkungen zum nachhaltigen Handeln, gilt es auch beim Konsum, die geeigneten Stellschrauben zu finden, um sich möglichst effizient und sinnvoll zu engagieren. Dabei liegt das Potential der Nachhaltigkeit, in vielen Fällen, nicht in der Beschaffenheit des Produktes selber, sondern im Umgang mit dem Produkt und mit dem Thema Konsum insgesamt (v.a. Punkte 1 & 5 der folgenden Auflistung).

Wie findet man aber nun heraus, ob ein Produkt nachhaltig ist? Wie entscheidet man darüber, welches Produkt nachhaltiger als ein anderes ist? Und wie schaut nachhaltiger Konsum generell aus?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mir folgende Strategie überlegt.

Strategie: nachhaltiger Konsum

  1. Konsum vermeiden – Bedarf prüfen
  2. Bei Bedarf:
    1. Gewicht der Konsumentscheidung abschätzen
    2. Mögliche und notwendige Zeitinvestition zur Konsumentscheidung festlegen
    3. Konsumform festlegen (Abfallrettung, Schenkung, Tausch, Leihgabe, Kauf)
  3. Vor Kauf: Gebrauchtkauf möglich?
  4. Bei Neukauf:
    1. Information – (produktspez.) Nachhaltigkeit, Kriteriumsprioritäten, grober Preis
    2. Festlegung der Anforderungen an das gewünschte Produkt
      1. Max. “ertragbares” Budget
      2. Minimale Leistungsanforderungen (inkl. NH-Kriterien)
    3. Marktforschung betreiben (Preis/Leistung inkl. NH-Kriterien) / Produktauswahl
    4. Alternative Bezugsquellen prüfen, dann Bezugsquelle auswählen
  5. Umgang mit Produkt bzw. mit dem eigenen “Besitz”
    1. Wird es tatsächlich genutzt? Wenn ja, wie lange?
    2. Wie findet die Nutzung statt? (Achtsamer Umgang/Reparatur/Ersatzteile?)
    3. Wenn keine Nutzung mehr möglich oder erwünscht wird, was tut man?
    4. Wie ist der generelle Umgang mit dem eigenen Besitz?

Diese Strategie sieht erst mal ziemlich extensiv aus. Tatsächlich sind die oben dargestellten Punkte aber nur als Skelett zu verstehen – es gibt nämlich noch hunderte Unterpunkte, die zu beachten wären oder beachtet werden können. Nun soll man sich davon aber nicht abschrecken lassen, denn diese Strategie soll einfach der Orientierung zu einem nachhaltigen Konsummuster dienen. Sicher kann oder muss man also nicht, bei jedem Kauf alle Schritte bedenken.

Schließlich entwickelt man mit der Zeit auch ein Gespür dafür, welche Konsumart bzw. Konsumentscheidung nachhaltig ist und welche eher nicht. In der Regel ist eine Orientierung an dieser Strategie jedenfalls umso wichtiger, je “größer” die Anschaffung ist, oder je häufiger man ein Produkt im Alltag nutzt (Punkt 2a).

Ebenso ist zu sagen, dass diese Strategie sicher nicht alle Aspekte beachtet, dennoch aber darauf abzielt, die essentiellen Überlegungen bezüglich nachhaltigem Konsum, in ein Gesamtkonzept zu verpacken. In vielen Fällen, kann man den Prozess nämlich schneller durchlaufen, als gedacht – dazu weiter unten. Im Laufe der Zeit, werde ich mich jedenfalls damit befassen, zu den Punkten 1-5, sowie zu den relevantesten Unterpunkten, eigene Artikel zu verfassen.

Wie die eingehende Beschäftigung mit einem der Unterpunkte aussehen kann, möchte ich anhand Punkt 1 nun verdeutlichen.

Konsum vermeiden – Bedarf prüfen

  1. Habe ich bereits das oder ein ähnliches Produkt?
  2. Ist so ein Produkt für mich notwendig, bzw. unersetzlich? Oder auch: Inwiefern möchte ich das Produkt (nur), brauche es aber nicht wirklich?
  3. Was ist der allgemeine Zweck dieses Produktes?
  4. Warum brauche ich dieses Produkt? Was bezwecke ich mit dessen Erwerb?
  5. Wodurch entstand meine Motivation, dieses Produkt zu kaufen, oder inwiefern spielen unterbewusste Mechanismen eine Rolle?
    1. Kaufmotivation aus tatsächlichem Bedarf?
    2. Werbung? Bedürfnisindustrie?
    3. Gruppenzwang?
    4. Anerkennung/Prestige?
  6. Können diese (unterbewussten) Wünsche durch etwas Anderes (z.B. durch etwas Immaterielles) substituiert werden?

Auch bei diesen Fragen wird man merken, dass sie sicher nicht alle Aspekte abdecken. Diese Auflistung soll auch nur als Veranschaulichung dienen, wie sehr man sich mit dem Thema beschäftigen kann. Je nach Möglichkeit und Verantwortungsbewusstsein, sollte man sich aber auch damit beschäftigen. An dieser Stelle wird es in Zukunft den Verweis zu einem Artikel mit dem Thema “Minimalismus” geben.

Praxis: Nachhaltiger Konsum

Wie schaut nachhaltiger Konsum letztlich in der Praxis aus?

Nehmen wir für dieses Beispiel die Produktkategorie “Gemüse/Obst”. Dabei werde ich bewusst nicht auf alle Punkte eingehen, sondern den Prozess auf das Wesentliche reduzieren:

  1. Konsum vermeiden – Bedarf prüfen?
    1. Prinzipiell muss jeder Gemüse/Obst essen. Also, was habe ich z.B. noch zu Hause? Was fehlt mir konkret? Die anderen Unterpunkte sind unzutreffend.
  2. Bei Bedarf
    1. Gewicht der Entscheidung: einmalig irrelevant, aber als Gewohnheit relevant!
    2. Irgendwann sollte man sich also ein eigenes Konzept (auf sich selber abgestimmt) zum Einkauf von Obst und Gemüse überlegen
    3. Konsumform Möglichkeiten: “Abfallrettung”, Tausch, Schenkung, Kauf (Leihen fällt weg)
      1. Abfallrettung: “Dumpstern” oder “Foodsharing”
      2. Tausch/Schenkung: Habe ich vielleicht gerade von etwas zu viel? Oder ein Nachbar etwa? Lasst es nicht verderben: “Foodsharing” oder z.B. “Fragnebenan” – ansonsten einfacher Kauf.
  3. Gebrauchtkauf nicht möglich 🙂
  4. Neukauf:
    1. Auf die wesentlichen Kriterien bei Obst/Gemüse achten: Regionalität, Saisonalität, Bio-Qualität
      1. Fair-Trade kann hier z.B. weggelassen werden, da Fair-Trade Produkte i.d.R. nicht regional sind (z.B. Bananen)
    2. Alternative Bezugsquellen: Da gibt es viele: z.B. Markt, Bio-Markt, Biokistl, Foodcoop usw.
      1. Je nach Möglichkeit/Preis-Leistungsverhältnis/Bedürfnissen & Wünschen wählen, ansonsten: Supermarkt
      2. Warum zuerst alternative Bezugsquellen? Diese sind in der Regel bezüglich sozialer Nachhaltigkeit um einiges besser aufgestellt. Das betrifft z.B. Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung, Umgehung der Zwischenstationen (direkt vom Bauern zum Konsumenten im Fall von Foodcoops und oft auch am Markt) etc.
  5. Umgang mit Produkt
    1. Da kann man eigentlich nur sagen: Langsam und genüsslich verspeisen!

Schlussworte

Nachhaltiger Konsum ist ein Prozess des Lernens, des Ausprobierens, der Reflexion und der eingehenden Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Insgesamt würde ich das Ganze einfach als Übungssache bezeichnen. Wichtig finde ich, dass man es nicht zulässt, sich von zu vielen Überlegungen überfordern zu lassen. Schließlich geht es in den meisten Fällen um simplen Hausverstand (lieber österreichische Bio-Äpfel kaufen, statt Bananen aus Übersee).

Klar ist auch, dass nicht jeder Vorschlag auch von allen umgesetzt werden kann oder für alle eine Option darstellt, wie z.B. das Dumpstern. Jedenfalls bildet eine kontinuierliche Reflexion der eigenen Handlungsmuster das Schlüsselkonzept des nachhaltigen Konsums und fungiert wahrscheinlich ebenso, als wichtigste Determinante in der gesamten Debatte um das Thema Nachhaltigkeit.

Fraglich bleibt, inwiefern es nicht die Aufgabe des Staates wäre, die Konsumenten so vieler Fragen zu entheben und ihnen die Hauptverantwortung eines nachhaltigen Konsums “abzunehmen”. So könnte der Staat, über gesetzliche und markttechische Mechanismen, einen “automatischen” nachhaltigen Konsum fördern. Beispielsweise könnte auf Überseeprodukte eine Unnachhaltigkeits-/Luxus-Steuer erhoben werden, welche die tatsächlichen externen Kosten berücksichtigt und das Produkt für den Konsumenten, aus preislicher Perspektive, unattraktiver macht. Dann könnte mit den erzielten Einnahmen z.B. Klimaschutzforschung, bewusstseinsbildende Maßnahmen oder andere nachhaltige Projekte gefördert werden. Das ist aber wiederum ein großes Thema, bzw. eines für einen weiteren Artikel 🙂

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