Warum gerade JETZT handeln?

 

Unsere wesentlichste Herausforderung betrifft die Zeit. Es geht darum, JETZT zu handeln. Doch wie kommt es dazu? Warum ist das so wichtig? Genau damit, befasse ich mich in diesem Artikel.

Um den Sinn dieses Artikels in vollem Maße zu verstehen, empfehle ich stark, diesen Beitrag als Grundlagenverständnis, vorher zu lesen. Darin erkläre ich auf ganz einfache Art und Weise, Schritt für Schritt, die wesentlichsten Probleme Rund um den Klimawandel. Wenn du den anderen Artikel gerade gelesen hast und erst eine kurze Verschnaufpause brauchst, schau dir mal den kleinen Abschnitt unter der Überschrift „Gedankliche Pause“ weiter unten an :). Anderenfalls geht es jetzt mit einem wichtigem Thema weiter:

Exponentielles Wachstum

Wir leben in Zeiten, die von Globalisierung, multiplen Wechselwirkungen, sowie exponentiellen Kurven geprägt sind. Dabei ist exponentielles Wachstum für den Menschen, so gut wie unvorstellbar. Das bedeutet aber, dass alles was exponentiell abläuft, für uns auch unkontrollierbar ist – eine Tatsache, der wir mit Sicherheit viel zu wenig Bedeutung geben. Nun also zwei Beispiele, um die Dynamik eines exponentiellen Wachstums zu veranschaulichen (aus diesem tollen Buch, Seite 93):

Beispiel 1

Man nehme ein Tischtuch (kann es sich auch vorstellen), faltet es in die Hälfte und wiederholt dies ein zweites, drittes und viertes Mal. Jedes Falten, verdoppelt somit die Dicke des Tischtuchs. Nach dem vierten Mal, ist es das Tischtuch dann wahrscheinlich ca. einen Zentimeter dick.  Jetzt könnt ihr euch mal überlegen: Wie dick wäre das Tischtuch theoretisch, wenn man es weitere 29 Mal in der Hälfte falten könnte? Wäre es dann größer, als ein Mensch, oder größer als ein Hochhaus? Nein! Unglaublicherweise, wäre es ca. 5400km dick – also eine Distanz wie ca. von Paris nach Boston, oder von Malaga nach Oslo und dann wieder nach Athen. Hättet ihr das gedacht?

Beispiel 2

Ihr habt einen Teich mit Seerosen. Nun brauchen die Seerosen ca. einen Tag um die Fläche, welche sie bedecken, zu verdoppeln. Es sagt euch jemand, dass innerhalb von 30 Tagen, euer ganzer Teich bedeckt sein wird, wenn ihr nichts dagegen unternehmt. Ihr jedoch, seht in den ersten Tagen nicht viel Veränderung und entscheidet euch deshalb dafür, die Seerosen vorerst in Ruhe zu lassen. Wann wird es aber kritisch? Wann ist die Entwicklung unumkehrbar? Und wie schnell kommt es dazu? Fakt ist: Wenn ihr bis zum 29. Tag wartet (bei dem der Teich halb voll ist), brauchen die Seerosen nur einen einzigen weiteren Tag, um den ganzen Teich zu bedecken (sie verdoppeln sich ja täglich).

Was das bedeutet…

Gafik 1: Kurvenvergleich zwischen linearem (rot), kubischem (blau) und exponentiellem Wachstum (grün). Auch hier sieht man, wie wenig am Anfang einer Exponentialfunktion passiert und wie schnell sich das dann ändert.

Der Mensch ist an lineare Abläufe gewöhnt. Wenn es um exponentielles Wachstum geht, sieht man eben bis zum metaphorischen 28. Tag nicht wirklich viel. Der Teich ist erst zu einem Viertel bedeckt. Doch dann, innerhalb von zwei Tagen, passiert es blitzschnell und man hat einfach keine Zeit, um die Entwicklung zu stoppen – selbst wenn man die beste Strategie dazu hätte. Und genau das, trifft auch auf den  Klimawandel in vielerlei Hinsicht zu. Nur, dass es sich dabei um ein immens komplexeres Phänomen handelt, was schließlich über unser Überleben auf diesem Planeten entscheiden wird.

Die Rede ist ja oft vom 2 Grad-Ziel, bei dem sich fast alle Staaten der Welt, in Paris 2015 dazu geeinigt haben, Maßnahmen gegen den gefährlichen Klimawandel zu unternehmen (Erklärung hier). Das Problem ist, dass sich 2 Grad für die meisten Menschen nicht so dramatisch anhört. Das aber sollte es, wenn man die oben genannten Beispiele bedenkt. Dabei nähern wir uns in rasanten Schritten dem Ende des Zeitfensters, in dem eine Hemmung und Umleitung unserer gefährlichen globalen Entwicklung, noch möglich wäre. Um welche Entwicklungen es dabei geht, steht zwei Überschriften weiter unten.

Gedankliche Pause

In diesem Abschnitt, lege ich eine kurze inhaltliche Pause ein und frage: Was ist eigentlich Zeit? Zeit ist unsere vierte Dimension. Alle wissen, dass sie allgegenwärtig ist und dass sie jeden betrifft.

Die meisten meinen, man könne sie messen. Dabei haben viele das Gefühl, wenige hätten sie noch, aber viele bräuchten sie. Manche würden Vieles dafür geben, mehr von ihr zu haben. Wenige andere behaupten, niemand könnte Zeit haben. Niemand kann sie schaffen oder vernichten – und dennoch, alle wissen, dass sie läuft. Zeit verstreicht in eine Richtung. Sie ist unumkehrbar. Zeit ist Geld. Zeit ist Macht. Zeit ist das, was trotzdem ist, auch wenn sonst nichts Anderes ist.

Oder, ist Zeit vielleicht bloß ein menschliches Gedankenkonstrukt? Für diesen Artikel beschreibt Zeit jedenfalls Veränderung, bzw. die Abfolge von Ereignissen.

Globale Entwicklungen

Nun aber zurück zum Thema. Um welche gefährlichen globalen Entwicklungen ging es im ersten Abschnitt?

In den letzten 70 Jahren, hat sich für die Menschheit extrem viel verändert. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Übertreibung! Als prominente Beispiele für diese sprunghafte Entwicklung, gelten das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit, die enorme Technologisierung inkl. Internet, sowie die Verdreifachung der Weltbevölkerung. Die folgende Darstellung (Grafik 2) zeigt, wie sich 24 unterschiedliche Faktoren, im Zeitraum der Jahre zwischen ca. 1750-2010 entwickelt haben. Was fällt also auf, wenn man die grün markierte Exponentialkurve aus Grafik 1 nimmt und sie mit den Kurven aus Grafik 2 vergleicht? In vielen Fällen sieht man eine Kurve, die einer exponentiellen Funktion verdächtig ähnelt. Dabei wird deutlich, wie ab dem Zeitpunkt um 1950, die meisten Kurven erst so richtig in Schwung kamen.

Grafik 2 (klicken um zu Vergrößern)

Diese Darstellung basiert auf wissenschaftlich anerkannten Quellen. Allerdings könnte sie auch als ein Bündel von selektierten und verdichteten Informationen kritisiert werden, die eventuell aus ihrem inhaltlichen Kontext gerissen wurden. Wie es auch sein mag: Persönlich wird mir etwas unwohl, wenn ich mir diese steilen Kurven genauer anschaue. Ich frage mich, wie sie wohl weiter gehen könnten – vor allem in Hinblick auf die Begrenztheit unseres Planeten (platzmäßig), unserer Ressourcen, oder mit Hinsicht auf unser Wirtschaftsmodell, welches auf unerlässlichem Wachstum basiert.

Was bedeutet das nun?

Wenn man jetzt die Gefahren des exponentiellen Wachstums, mit den gegenwärtigen Trends und den komplexen Prozessen des Klimawandels kombiniert, wird schnell klar, dass uns nicht viel Zeit übrig bleibt. Das haben auch viele Wissenschaftler erkannt und reden von einem Handlungszeitfenster von nur etwa 10-20 Jahren. Das ist ein Zeitfenster, in dem uns eine Chance bleibt, gefährliche Trends (wie etwa das Bevölkerungswachstum) so abzubremsen, dass sie auf lange Sicht keine unumkehrbaren, negativen Entwicklungen verursachen. Dass die Einschätzung von maximal 20 Jahren stimmt, habe ich selber, während mehrfacher Rechengänge mit diesem Simulationswerkzeug in Erfahrung gebracht. Dieses wurde unter anderem auch bei der Klimakonferenz in Paris, 2015 verwendet.

Was steht also jetzt fest:

  1. Wir müssen viel weniger emittieren. Berechnungen zufolge, müssen wir weltweit, im Jahre 2050, mindestens 50% weniger CO2 emittieren, als im Jahre 1990. Dabei stehen uns die Entwicklung/Industrialisierung Afrikas, Indiens und in gewissem Maße auch Chinas noch bevor. Ebenso werden bis dahin etwa 2 Milliarden zusätzliche Menschen auf unserem Planeten leben.
  2. Die nächsten 10-20 Jahre sind der kritische Zeitraum, in der die unkontrollierbaren Folgen des Klimawandels (eventuell/hoffentlich) noch abzuwenden sind.
  3. Ein sofortiges Handeln ist dringend erforderlich.

Dinge selbst in die Hand nehmen

Angenommen, man hat also eingesehen, dass es wichtig ist, sofort zu handeln. Was ist dann? Warum müssen wir eigentlich die Dinge selbst in die Hand nehmen? Warum macht das nicht der Staat? Das ist ein Thema, worüber man Artikel über Artikel schreiben könnte. In der Kurzfassung lautet jedoch die Aussage: Der Staat würde einfach viel zu lange brauchen.

Einerseits würde es sich ja dabei um Veränderungen im Bildungssystem drehen, andererseits um den Erlass von neuen Gesetzen. Bis aber das Bildungskonzept überhaupt geändert werden kann und eine neue Generation an Menschen die Schule durchläuft, werden wir die kritischen 10-20 Jahre schon verpasst haben. In der Politik und Wirtschaft gibt es zudem Menschen, Parteien und Unternehmen, die von den jetzigen Verhältnissen profitieren, weshalb sie sich stark dafür einsetzen, dass sich möglichst wenig ändert. Dabei können einfache Bürger, durch eine Veränderung ihres Lebensstils, so viel, so einfach und vor allem SOFORT etwas bewirken.

In Prinzip lautet die Formel also:

Du. Wenige entscheidende Jahre. JETZT anfangen. DAS tun

Weiterführende Links:
– Weitere Inputs zum Thema „Exponentielles Wachstum“, siehe hier (mathematisch) oder diesen Artikel (das Ende ist dabei kritisch zu betrachten – ich stimme teilweise nicht zu)

– Artikel dazu, dass die nächsten 10-20 Jahre entscheidend für den Klimawandel sind: Artikel von welt.de, weiterhin Scientific American, bzw. spektrum.de (beide mit interessanten Grafiken), oder auch wiwo.de & phys.org

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